Paradigmenwechsel – ein Kommentar

Der Paradigmenwechsel und seine befürchteten Folgen - ein Kommentar von Jochen Bunte

von Jochen Bunte

Paradigmenwechsel – nachvollziehbar, aber mit furchtbaren Folgen

Die Bundesregierung hat einen Paradigmenwechsel vollzogen, der nachvollziehbar ist: einmal stellt sie der Ukraine Defensivwaffen zur Verfügung, zum anderen stockt sie den Wehretat auf, um die Bundeswehr handlungsfähiger zu machen. Diese Entscheidung ist anlässlich des putinschen Angriffskrieges nur allzu verständlich – aber es ist mit schrecklichen Folgen zu rechnen.

Die russische Angriffsarmee rechnete mit weniger Widerstand. Nun stehen den Ukrainern richtige Abwehrwaffen zur Verfügung, und die wird Putin mit exorbitanter Gewalt gnadenlos bekämpfen. Blut wird in Strömen fließen – das Blut junger Männer und Frauen. Mütter werden unsagbare Tränen weinen, Väter werden in Russland und in der Ukraine auf Rache sinnen, und die Kriegsspirale zieht sich immer weiter zu. Ein tödlicher Kreislauf beginnt – auch mit unseren Waffen.

Das ist die schreckliche Seite. Es gibt keinen Grund zum Jubel. Nur zum Weinen um die schon Gefallenen und um die Zahllosen, die noch von den Waffen zerfetzt werden. 

Doch der Weg des Friedens ist durch Putin vorerst versagt, zu krankhaft machtbesessen sind er und sein dummer Scherge aus Weissrußland. Sie begreifen nicht die Macht der Freiheit und der Demokratie, die schon längst nach ihren Ländern gegriffen hat, die in den Provinzen und Städten schon lange darauf wartet, ins Leben entlassen zu werden. Dieser Waffe des Friedens können die beiden Scharfmacher auf die Dauer nichts entgegensetzen.

Dabei ist es gut, dass die Bundesregierung weiter auf Diplomatie setzt. Gut, dass es in ihren Reihen nach wie vor Männer und Frauen mit guten Kontakten nach Russland gibt. Man darf den Altkanzler wegen seiner Beziehungen zu Putin nicht vergrätzen, die Stunde kann noch kommen, wo wir ihn dringend brauchen werden. Man darf das Gespräch nicht ersterben lassen.

Und was bringt uns die Auf- und Nachrüstung? Das Gefühl der Sicherheit? Was ist mit den Atomkraftwerken, die wir bauten, damit wir “sauberen Strom” erhalten? Sie stehen nun als erstes auf den Abschusslisten, weil ihre Explosionen millionenfachen Tod herbeiführen werden! Wo Waffenpotenziale stehen, da sind die Ziele. 

Nein! Es bleibt dabei! Der einzige zukunftstragende Weg ist der Weg des Friedens, des Gesprächs, der Abrüstung, des Handels und Wandels, des Miteinanders und des Füreinanders. Nur so haben wir eine Zukunft in einer Zeit, in der ein viel mächtigerer Feind auf die Weltenbühne tritt als alle amerikanischen, brasilianischen, russischen  – und ich weiß nicht wo sie noch alle sind – Potentaten zusammen: das unter der Last der Menschheit sterbende Klima, das unseren Lebensraum zerbrechen lässt und um das wir uns so gut wie gar nicht kümmern. Ich wüsste schon, wo all die Milliarden, die die Kriegsindustrie verschlingt, besser aufgehoben wären. Ja, ich wüsste es.